Artikel: Warum unterscheiden sich die Maße von Designklassikern?
Warum unterscheiden sich die Maße von Designklassikern?
Ein Zentimeter mehr Sitzhöhe, eine etwas tiefere Sitzfläche oder eine höhere Rückenlehne: Beim Vergleich von Designklassikern verschiedener Hersteller fallen gelegentlich unterschiedliche Maße auf. Bedeutet das automatisch, dass eine Ausführung falsch ist? Nein. Ein Entwurf kann über Jahrzehnte in unterschiedlichen Ausführungen und Größen gefertigt worden sein.
Klassische Entwürfe, veränderte Körpergrößen
Viele bekannte Möbelentwürfe stammen aus den 1920er- bis 1950er-Jahren. Seitdem hat die durchschnittliche Körpergröße deutlich zugenommen – je nach untersuchter Bevölkerungsgruppe und Generation um rund 8 cm. Damit haben sich auch die Anforderungen an Sitzkomfort und Proportionen verändert. Einige Hersteller haben darauf mit Anpassungen ihrer Klassiker reagiert.
Auch bekannte Hersteller verändern Maße
Ein anschauliches Beispiel ist der Eames Lounge Chair von 1956. Vitra bietet ihn mit klassischen und mit größeren Abmessungen an. Die Gesamthöhe beträgt je nach Ausführung 84 oder 89 cm. Die größere Version entwickelte Vitra gemeinsam mit dem Eames Office, um auch größeren Menschen den vorgesehenen Komfort zu ermöglichen.

Auch Herman Miller führte 2010 eine „Tall“-Version des Lounge Chair ein, mit höherer Rückenpartie und größerer Sitztiefe.
Bei den Eames Plastic Chairs ging Vitra 2015 ebenfalls einen Schritt weiter: Sitzhöhe und Sitzgeometrie wurden ausdrücklich an heutige Anforderungen angepasst.
Auch Thonet entwickelt seine Klassiker weiter. So stellte das Unternehmen 2023 eine zusätzliche Lounge-Ausführung des S 32 vor. Dafür wurde die Sitzfläche verbreitert und leicht nach hinten geneigt; die Sitzhöhe beträgt 40 cm. Diese Variante ergänzt den klassischen Stuhl und zeigt, wie ein vertrauter Entwurf durch veränderte Maße und Sitzwinkel auf eine andere Nutzung abgestimmt wird.
Historisches Original und heutige Edition
Besonders interessant ist ein Vergleich beim Bibendum-Sessel von Eileen Gray: Christie’s dokumentiert für ein historisches Exemplar aus den Jahren 1926–1928 eine Höhe von 68,5 cm, eine Breite von 91,4 cm und eine Tiefe von 73,7 cm. Seine Herkunft lässt sich bis zu Eileen Grays eigener Galerie Jean Désert zurückverfolgen.
ClassiCon nennt für die heutige Ausführung dagegen 72 cm Höhe, 90 cm Breite und 79 cm Tiefe. Daraus lässt sich nicht ablesen, wodurch jede einzelne Abweichung entstanden ist. Es zeigt aber deutlich: Heutige Katalogmaße sind nicht zwangsläufig mit denen jedes historischen Originals identisch.
Unser Blick auf die klassischen Proportionen
Bei Bauhaus Italia liegt uns daran, den Charakter der frühen Entwürfe und ihre ausgewogenen Proportionen lebendig zu halten. Wir setzen auf die etablierten Ausführungen unserer italienischen Hersteller. Diese können sich in einzelnen Maßen von den heutigen Versionen anderer Anbieter unterscheiden.
Dabei lässt sich nicht jede Abweichung durch eine spätere Größenanpassung erklären. Auch Ausführung, Polsterung und Messweise können eine Rolle spielen. Ein einzelner Zentimeter ist deshalb für sich genommen kein verlässliches Urteil über Qualität oder Entwurfstreue.
Entscheidend sind die Maße der Ausführung, die Sie bestellen. Gerade wenn Armlehnen unter einen vorhandenen Tisch passen müssen oder eine bestimmte Sitzhöhe gewünscht ist, lohnt sich ein genauer Blick. Bei Fragen helfen wir Ihnen gerne persönlich weiter.
Quellen: Entwicklung der Körpergröße – CBS, Vitra Lounge Chair, Herman Miller – Standard und Tall, Vitra Eames Plastic Chairs – Herstellerbroschüre 2015, Thonet – S 32 Lounge, Pressemitteilung 2023, Christie’s – Bibendum, 1926–1928, ClassiCon – Produktkatalog.


